Cream Ale – ein amerikanischer Klassiker

Der Name ist glatt gelogen! Gar nicht cremig, sondern schlank und crisp kommt das amerikanische Original daher. In diesem Blogpost erfahrt ihr, was es mit dem Cream Ale auf sich hat und ich zeige euch, wie ich mein eigenes gebraut habe.

Cream Ale

Das Cream Ale ist einer von wenigen Bierstilen, die in den USA entstanden. Amerika war schon immer englisch geprägt und die Bierlandschaft wurde von Ales dominiert. Doch dann kamen die Deutschen und die amerikanischen Brauer mussten sich etwas einfallen lassen.

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Fliehende Bauern und das Hybrid Bier

Springen wir ein paar Jahrhunderte zurück. Seit dem dem 17 Jhd. leben viele Bauern in Deutschland in Armut und haben mit Missernten zu kämpfen. Dramatisch wird die Lage mit der beginnenden Industrialisierung. Mitte des 19 Jhd. haben ca. 3/4 der Bauern zu wenig Land um davon leben zu können. Viele packen ihre Sachen und fliehen in ein Land das Freiheit und Wohlstand zu bieten scheint. Ca. 6 Mio Deutsche wandern im 19 Jhd. in die USA aus.

Nun treffen zumindest biertechnisch gesehen zwei Welten aufeinander. Die Lager-verwöhnten deutschen Bauern finden sich auf einmal in der englisch geprägten Ale Landschaft der USA wieder. So entstanden relativ schnell von Deutschen inspirierte Lager-Brauereien. Diese gruben den Ale Brauern immer mehr Marktanteile ab. Spätestens als 1840 John Wagner die erste untergärige Hefe mit in die USA brachte, gab es dann einen Lager-Umschwung. Die Ale Brauer brauchten einen Plan B.

Im Buch American Handy Book of the Brewing, Malting and Auxiliary Trades wurden 1901 einige Lager-ähnliche Biere beschrieben. Damit wollten die Ale-Brauer nun endlich mit den immer häufiger gebrauten Deutschen Pilsener konkurrieren. Damals war auch noch die Rede von „Lively Ale“, oder „Present Use Ale“, später entstand daraus das Cream Ale. Die Biere waren sehr hell und spritzig karbonisiert. Dazu kam ein schlanker Körper und eine dezente Fruchtigkeit.

Der Vorteil war, dass Ales viel schneller hergestellt werden konnten, als Lagerbiere. Wer es also schafft die Lagerfans mit Ales glücklich zu machen, konnte mehr Geld verdienen. In dieser Zeit begannen die amerikanischen Ale Brauer zudem ihre Brauereien mit Kältemaschinen auszurüsten. So konnte man das Cream Ale kälter vergären und heraus kam ein Hybrid zwischen Lager und Ale.

Es gab verschiedene Varianten, die entweder mit untergäriger oder obergäriger Hefe vergoren wurden. Auch von Mischkulturen ist die Rede. Das Cream Ale liegt In Geschmack und Herstellung also sehr nah am Kölsch, mit einem großen Unterschied: Um das Bier noch schlanker und heller zu brauen, wurde beim Maischen Mais oder Reis hinzugefügt. Dadurch hatte das fertige Bier durchaus dezent vegetale Aromen (DMS lässt grüßen).

Wo ist die Sahne?

Das Cream im Namen ist verwirrend. Denn mit cremig oder sahnig, hat das Bier nichts zu tun. Es gibt keinen Hinweis darauf welche Brauerei den Namen erfunden hat. Vermutlich wurde es nur aus Marketing-Gründen hinzugefügt. Auch Jeff Alworthy, Autor von The Beer Bible nimmt an, dass es ein Trick sein sollte, um das Bier interessanter und schmackhafter klingen zu lassen.

Hype und heutige Vertreter

Es gibt viele Möglichkeiten ein Cream Ale zu brauen, da die Grenzen dieses Bierstils nicht wirklich messerscharf definiert sind. Aber wenn es ein Cream Ale gibt, das den Stil repräsentiert, dann ist es das Genesee Cream Ale, gebraut von der Genesee Brewing Company in Rochester, New York.

“smooth like a lager and crisp like an ale.”

Werbung der Genesee Brewing Company aus den 1960ern

Unter diesem Slogan wurde das Bier in den 1960ern zum ersten Mal gebraut. In den letzten sechzig Jahren hat das Bier zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Zudem ist es zum Kultgetränk in den USA geworden und hat eine große Anhängerschaft.

Zur Zeit erlebt das Cream Ale einen Hype rund um die Craftbeer Szene und das nicht nur in den USA. Genesse hat 2019 mit Other Half Brewing aus New York mit dem Dream Ale eine Variante für Hop Heads auf den Markt geworfen. Auch andere Brauer spielen mit dem Stil und interpretieren das Bier für sich. Nicht selten wird der Name „Cream“ nun wörtlich genommen und mit Vanille, Früchten oder Kaffee experimentiert.

Mein Versuch ein traditionelles Cream Ale zu brauen

Schon länger stand eins auf der To-brew-List und als Jan Brücklmeier dann bei uns im Just brew it Podcast zu Gast war und sich gleich zwei aufgemacht hatte, wollte ich dann umso mehr mein Eigenes brauen.😅

Am 1. Mai war der Brautag. Herausgekommen ist ein Bierchen mit 12,8°P Stammwürze, 5,6 Vol. % und 26 IBU. Die Zutatenliste könnte sich nicht einfacher lesen. Für die Schüttung habe ich 80% Pilsener verwendet und 20% Brauer Maisgrieß. Bei diesem Maisgrieß werden vor dem Vermahlen Keimling und Spelzen entfernt, um den Fettgehalt zu reduzieren. Gibts z.B. bei Pfalzmalz.

Der Maisgrieß ist nicht vorverkleistert, weshalb mein Brautag mit dem Verkleistern, oder etwas cooler auf Englisch – mit einer „Cereal Mash“ begann. Dafür habe ich 1700g Maisgrieß mit 170g (10%) PiMa in ca. 1,5 l Wasser vermengt und auf 70°C erhitzt, kurz gerastet und dann für 30 Minuten gekocht (wer mehr zum Thema mit Mais brauen nachlesen möchte 👉 BYO – Brewing with Corn.

Maisgrieß mit Pilsener Malz

Als erstes wurde das Pilsener Malz eingemaischt und ein paar Minute später habe ich dann den Maisgrieß dazu gegeben. In meinem Fall waren es 20%. Wer weniger Maisgeschmack haben möchte, sollte eher in Richtung 10-15% gehen. Das Ganze lief bei einer entspannten Kombirast (66°C) ab. Das Bier habe ich ausschließlich mit Vanguard gehopft. Vergoren wurde bei 15°C mit dem Cream Ale Blend von Escarpment Labs. Nach 5(!) Tagen war die Gärung durch.

Mais Grieß einmaischen
Cream Ale Blend von Escarpment Labs

Nice to know: Ich habe bei Escarpment nachgefragt, was das für ein Blend ist. Die Antwort: 50/50 Cali Ale und Isar Lager. Das sollte der Chico Stamm in Verbindung mit der w34/70 sein und wäre somit leicht selbst zu blenden.

Das Bier ist super hell und mittlerweile recht klar. Der Schaum ist cremig weiß. Es riecht getreidig, süßlich nach Mais und hat was von Popcorn. Dazu steigen einem leicht kräutrig-pfeffrige Noten in die Nase, auch DMS ist subtil vorhanden. Ich habe das Bier auf 5,5 g/l CO2 karbonisiert. Die Rezenz passt gut zum recht schlanken Charakter. Trotzdem hat es ein weiches Mundgefühl. Ester spielen keine Rolle. Der Abgang ist spritzig-schlank und man hat Bock auf den nächsten Schluck.🤤

Cream Ale
Friedies Cream Ale

Mein Fazit: Wird wieder gebraut! Das Bier ist einfach gefährlich gut trinkbar und hat durch den Maisgrieß einen eigenen Charme. Passt super zum warmen Wetter. #makecreamalegreatagain

Das Rezept im Detail:

Das hier war das geplante Rezept. Am Brautag war meine Ausbeute etwas besser. Ich habe nicht verdünnt.

Prost und viel Spaß beim Brauen!

Paul

2 thoughts

  1. Hallo Paul,

    wirklich toll damit man wieder von dir ließt. 🙂

    Zwei Fragen dazu:

    1. Du hast Maisgries kurz bei 70Grad gehalten und danach hochgeheizt und gekocht. Welche Rolle spielt da das Pilsner? Ich meine beim kochen gehen ja die Enzyme kaputt.

    2. Welche Trockenhefe würdest du empfehlen? Die US-05 bei 16Grad?

    Viele Grüße,
    Christian

    1. Hi Christian, freut mich, dass du hier vorbei schaust😊 Zu deinen Fragen:

      1. Laut Brew your own können dadurch die im Malz vorhandenen Amylase-Enzyme die Stärkemoleküle im Mais umwandeln und beginnen, die verbleibenden Stärke-„Körnchen“ im Mais zu lockern. Die Hauptarbeit dieser Stärkeumwandlung findet aber natürlich in der Hauptmaische statt.

      2. Ja die US-05 ist super geeignet, aber man kann es auch mit der w34/70 probieren, ein paar Ester sind erlaubt, ruhig bei 15-16°C. Oder sogar eine Kölsch-Hefe.

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