Der Unitank Guide – Teil 2

Der Unitank Guide

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Weiter geht´s mit dem Unitank Guide.

In Teil 1 ging es um die Spezifikationen, das Zubehör und die Temperatursteuerung. In diesem Teil beschäftige ich mich mit folgenden Punkten

4. Passivierung
5. Karbonisierung
6. Hopfenstopfen
7. Trub ablassen/Hefe ernten

Passivieren

Ganz wichtig ist vor der ersten Nutzung den Unitank zu passivieren. Damit erzeugt ihr eine Schutzschicht, welche die Korrosion verhindert bzw. stark verlangsamt. Dieses Vorgehen sollte man einmal im Jahr wiederholen.

Es handelt sich dabei um eine Behandlung mit Trinatriumphosphat oder einem anderen, möglichst hoch effektiven Fettlöser. Beim ersten Passivieren werdet ihr zudem sämtliche Öl und Produktionsrückstände im Unitank los.

Dafür könnt ihr auch 4% Zitronensäure bei 40-60°C nutzen.

Entweder füllt ihr den Unitank mit der Lösung komplett oder ihr nutzt euer CIP Equipment. Wichtig ist, dass ihr euch dafür ausreichend Zeit nehmt und auch alle Einzelteile nochmal mit der Lösung behandelt.

Karbonisierung

Ein großer Vorteil des Unitanks ist seine Druckfestigkeit und die Möglichkeit fertig karbonisiertes Bier herzustellen. Um dies zu erreichen gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  1. Natürlich karbonisieren

Bei dieser Methode lasse ich das Bier fast fertig ausgären. Kurz vor Ende der Gärung schließe ich den Blow off. So kann das entstehende CO2 nicht mehr entweichen, bleibt im Tank und geht in das Bier über – es karbonisiert auf.
Ihr könnt auch direkt von Anfang an unter Druck vergären. Ich mache das nicht, da es nicht notwendig ist und ich die Hefe nicht unnötig stressen möchte.

Spundventil bei der Arbeit

In jedem Fall benötigt ihr für diese Variante ein regelbares Spundventil. Das gibt es z.B. von Ss Brewtech selbst oder ihr bestellt euch eins in China, dieses könnt ihr dann mittels eines T-Stücks am Blow off Arm anbringen.

Das Problem hierbei ist, dass das mitgelieferte PRV bei 1,2 bar Druck entweichen lässt. Möchtet ihr untergäriges Bier, sagen wir bei 10°C mit 5g/l CO2 karbonisieren ist das gerade noch möglich.
Sollen auch obergärige Biere natürlich karbonisiert werden müsst ihr das PRV gegen eines austauschen, welches erst ab 2 bar Druck ablässt.
Das Spundventil von Ss Brewtech ist ebenfalls bis 2 bar regelbar. So kann man entspannt ein Pale Ale bei 18°C natürlich aufkarbonisieren lassen.

Man kann statt dem 2 bar PRV auch ein 3“ Butterfly Valve unter dem mitgelieferten PRV anbringen und dann beim Karbonisieren schließen. So kann kein Druck mehr durch das PRV entweichen und die Regelung erfolgt ausschließlich über das Spundventil. Ich darf euch diese Variante jedoch nicht empfehlen, da es dabei quasi keinen Sicherheitsmechanismus mehr gibt. Denn: ein Spundventil ist kein Sicherheitsventil.

  1. (Zwangs)Karbonisieren über den Carbstone

Ihr könnt das Bier auch einfach ausgären lassen. Nach Gärende schließt ihr den Blow off und beaufschlagt dann über den Carbstone das Bier mit CO2. Ich empfehle euch das Bier vorher weit runter zu kühlen. Zum einen braucht ihr dann weniger CO2 und es bindet sich schneller im Bier, zum anderen ist der benötigte Druck bei kühleren Temperaturen niedriger und ihr könnt mit dem mitgelieferten PRV arbeiten. Der Carbstone verteilt das einströmende CO2 extrem fein, dadurch bindet es sich schneller im Bier.

Diese Variante bietet sich auch an, wenn ihr die geplante Karbonisiserung nicht genau getroffen habt und noch etwas aufkarbonisieren müsst.

Beim Carbstone müsst ihr noch den Benetzungsdruck (Wetting pressure) mit einrechnen. Das ist der Druck, der benötigt wird, um das Gas durch den Stein fließen zu lassen. Er liegt ungefähr bei 0,2 bar (3 PSI).

Bsp.: Euer Pale Ale ist fertig vergoren. Ihr schließt den Blow off und kühlt das Bier auf 5°C herunter. Eure gewünschte Karbonisierung liegt bei 5g/l CO2. Jetzt schließt ihr die CO2 Flasche an den Carbstone an und beaufschlagt den Unitank mit 1,1 bar.

0,9 bar Spundungsdruck + 0,2 bar Benetzungsdruck = 1,1 bar

  1. (Zwangs)Karbonisierung über den Blow off

Ihr könnt das gleiche Vorgehen auch über den Blow off Arm durchführen. Dabei drückt ihr das CO2 von oben auf das Bier und es dauert etwas länger, bis es sich im Bier bindet. Auch hier empfehle ich euch, das Bier vorher zu kühlen.

Grds. könnt ihr die CO2 Flasche bei Variante 2 und 3 mit dem am Druckminderer eingestellten Druck einfach angeschlossen lassen. Dann braucht ihr auch kein Spundungsventil, da die gewünschte Sättigung genau erreicht wird. Wollt ihr die Sache Beschleunigen und beaufschlagt etwas mehr Druck, dann braucht ihr im Fall einer Überkarbonisierung ein Spundventil.

Hopfenstopfen

Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten.
Natürlich könnt ihr das Bier ausgären lassen, nicht karbonisieren und dann Deckel auf und Hopfen reinwerfen. Aber der Unitank ist ein Stück Professionalität im Hobbybereich, sodass es auch beim Hopfenstopfen Optimierungsmöglichkeiten gibt. Gerade dabei könnt ihr im Kaltbereich Sauerstoff ins Bier eintragen.
Um das zu vermeiden bzw. zu verringern kann man eine Schleuse (Hop Dropper nutzen). Die einfachste Konstruktion ist hierbei ein 3“ Butterfly Valve und ein 3“ Sichtglas oder Tri Clamp Rohr. Damit könnt ihr unter Druck den Stopfhopfen dazu geben.

Hop Dropper
Hopfenschleuse

Mein Vorgehen bei Bieren, die ich kalthopfen möchte:

  • Kurz vor Erreichen des finalen EVGs schließe ich den Blow off
  • Das Bier gärt aus und karbonisiert natürlich auf
  • Ich kühle auf 16,5°C und schließe das Butterfly Ventil unter dem PRV
  • PRV abbauen, das 3“ Sichtglas an dessen Stelle installieren, Stopfhopfen einfüllen
  • PRV darauf befestigen
  • Butterfly Ventil nur leicht öffnen, so dass CO2 aus dem Tank in die Hopfenschleuse gelangt
  • Dann das PRV etwas aufdrehen, um das CO2/Sauerstoff-Gemisch in der Schleuse nach oben entweichen zu lassen
  • Etwa 1 Minute so spülen
  • Danach PRV zudrehen und Butterfly Ventil öffnen – der Hopfen fällt rein

Durch das Ablassen von CO2 durch die Schleuse, um den Hopfen zu spülen, fehlt euch dann natürlich etwas an vom gewünschten Spunddruck. Die Differenz gebt ihr einfach nach dem Stopfen über den Blow off wieder drauf oder karbonisiert gleich etwas höher.

Ich stopfe dann etwa für 2-3 Tage und lege anschließend einen Coldcrash für 2 Tage ein. Zwischendurch lasse ich immer etwas Hopfentrub ab. Danach kann das Bier abgefüllt werden.

Man kann hier auch eine Art Hop Gun realisieren. Dabei nutzt ihr einen Hop Strainer/Inline Filter. In dessen Filterkorb legt ihr den Stopfhopfen vor. Hier kann ich euch aus praktischer Erfahrung Doldenhopfen empfehlen, da dieser den Filter nicht so sehr zusetzt. Anschließend pumpt ihr die Würze im Kreis durch den Strainer. 6-8 Stunden Zirkulation reichen aus, um die gewünschte Aroma-Sättigung zu erreichen. Wichtig ist, dass ihr vorher die Hop Gun mit CO2 gründlich ausspült, um den Sauerstoffeintrag zu minimieren.

Trub ablassen/Hefe ernten

Hefe ernten ist mit dem Unitank super einfach. Im Prinzip müsst ihr nur das untere Ventil öffnen und ein Gefäß darunter halten in dem ihr die Hefe lagern möchtet. Es macht hier Sinn, ein Sichtglas vor dem unteren Scheiben Ventil einzubauen, um zu sehen, wann die Hefe fertig abgelassen ist.
Sollte die Hefe einmal verstopfen und auch bei geöffneten Ventil nicht abfließen, dann könnt ihr den Unitank mit etwas Druck beaufschlagen. Danach dann aber das Ventil vorsichtig öffnen.

In diesem Fall oder, wenn ihr grds. vorhabt unter Druck zu ernten, bietet sich ein Membran Ventil an. Dazu bringt ihr das Schauglas vor dem Scheibenventil an und davor das Membranventil. Ihr öffnet dann zum Hefe ernten bei geschlossenem Membranventil das Scheibenventil komplett und im Schauglas seht ihr, was da gleich herauskommt. Dann dreht ihr langsam das Membran Ventil auf und könnt ganz geschmeidig die Hefe ernten.

Hefe ernten

Wenn der Stopfhopfen direkt im Unitank zum Einsatz gekommen ist, müsst ihr in regelmäßigen Abständen den Hopfentrub ablassen. Dieser sammelt sich im Konus und rutscht nach jedem Ablassen nach. Je nachdem wieviel Hopfen beim Stopfen zum Einsatz kam, müsst ihr insgesamt zwischen 1 und 3 Liter Trub ablassen. Wenn ihr auch hier ein Schauglas nutzt, könnt ihr gut beobachten, wann kein oder nur noch wenig Trub im Konus ist.
Wichtig ist, dass ihr das Bier soweit es geht herunter kühlt. So verringert ihr die Oberflächenspannung (cold crash) und der Hopfen kann gut nach unten sinken.
Das Ablassen ist notwendig, um klares Bier ohne Hopfenpartikel am oberen Hahn ins Keg oder in die Flasche zu transferieren.

Bei diesem Schritt haben mir die Beinverlängerungen extrem geholfen. Zum einen kann man das Schauglas senkrecht am Konus anbringen, zum anderen hat man einfach mehr Platz für ein Gefäß und kann besser arbeiten.

Im 3. und letzten Teil wird sich dann alles um

8. Filtern
9. Transfer in Keg oder Flasche
10. Reinigung/CIP
11. Vorteile

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