Trappistenbier

Ein richtiges Highlight unter den Bierkennern sind Trapppistenbiere. Jedoch verknüpfen viele diese Biere nur mit Belgien. Aber der Ursprung liegt eigentlich woanders und nicht nur in Belgien wird köstliches Trappistenbier gebraut.

Was ist Trappistenbier?

Trappistenbier ist kein Bierstil, sondern eine Art Auszeichnung. Um das Logo der internationalen Trappistenvereinigung (Authentic Trappist Product) mit Sitz in Belgien tragen zu dürfen, muss das Bier von den Mönchen selbst oder unter deren Aufsicht auf dem Klostergelände gebraut werden. Der Erlös sollte größtenteils sozialen Zwecken dienen.

Weltweit gibt es 102 Trappistenklöster. Zwölf davon brauen (Trappisten)Biere, die für den Verkauf angeboten werden und das offizielle Qualitätssiegel tragen dürfen. (Stand Nov. 2018)

Die Geschichte

Wie kamen nun strenggläubige Mönche zum Bierbrauen?

Im Jahr 529 gründete ein Einsiedler namens Benedikt von Nursia ein Kloster auf halben Weg zwischen Rom und Neapel in Montecassino und damit den Benediktiner-Orden. Die Benediktiner Mönche sollten nach dem Kredo ora et labora et lege (bete und arbeite und lese) ein zurückgezogenes Leben führen. Im Laufe der Zeit verließen sie jedoch den Weg des einfachen Lebens. Sie fingen an in „Saus und Braus“ zu leben, verpachteten Grundstücke, erhoben Steuern und bauten prachtvolle Klöster.

Einige Mönche spalteteten sich bald ab und beriefen sich auf die Werte des heiligen Benedikts. Sie gründeten in der Nähe von Dijon im Osten Frankreichs das Kloster Cîteaux. Diese Reform brachte den Zisterzienser-Orden hervor.

Doch die Geschichte wiederholte sich. Auch die Zisterzienser verabschiedeten sich nach einiger Zeit von der einfachen Lebensweise. Im 17 Jhd. stand wieder eine Reform ins Haus, denn es spalteten sich erneut Mönche ab. In der französischen Zisterzienserabtei La Trappe in der Normandie entstand der Orden der Zisterzienser der strengeren Observanz. Genannt wurden diese Mönche und Nonnen „Trappisten(innen)“. Die formale Gründung geschah jedoch erst im Jahr 1892.

Das Kloster La Trappe ist also Gründungskloster der Trappisten(innen). Die Biermarke La Trappe stammt jedoch aus dem niederländischen Kloster Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven.

Flüssiges bricht das Fasten nicht

So jetzt haben wir Trappisten. Fehlt nur noch das Bier.
Als Gegenpol zum Beten und Lesen, arbeiten die Mönche und stellen ihre Lebensmittel selbst her. Nicht nur auf Bieren prangt das Logo Authentic Trappist Product, sondern auch auf so manchem Käse, Wein, Likör, Pflegeprodukt …

Die Mönche entwickelten die Kunst des Bierbrauens systematisch weiter. Die Tradition der klösterlichen Braukunst reicht bis ins 9. Jhd. zurück. Alte Grundrisszeichnungen vom ehemaligen Benediktinerabtei St. Gallen in der Ost-Schweiz aus dieser Zeit, zeigen drei Brauhäuser, Gäranlagen und eine Fasswerkstatt. Nach und nach entstanden nach diesem Vorbild ca. 400 weitere klösterliche Braustätten in ganz Europa.

Die Mönche und Nonnen sammelten Erfahrungen und verbesserten ihre Rezepte immer weiter. Bier galt in den Klöstern als nahr- und vor allem schmackhafte Ergänzung der ansonsten eher kargen Kost. Den Nonnen und Mönchen stand eine tägliche Ration Bier von ein bis zwei Litern zu. Schon 817 wurde auf dem Konzil zu Aachen folgendes festgelegt:

Der Chorherr bekommt fünf Pfund Bier, die Nonne aber nur drei Pfund.

Während der Fastenzeit war man umso mehr bestrebt, die eingeschränkte Aufnahme fester Nahrung durch entsprechend gehaltvolle Getränke zu kompensieren, denn: Flüssiges bricht das Fasten nicht! 

Die Zustimmung vom Papst

Die Mönche mussten sich vorher jedoch das „Go“ vom Papst einholen. Da sie im 17. Jhd. ein wirklich leckeres Bierchen kreiert hatten, plagte sie das schlechte Gewissen.
Der Legende nach brachte dann eine Gruppe von Mönchen ein Fass des Bieres über die Alpen zum Papst. Das während der Reise kräftig geschüttelte, mehrfach erwärmte und dadurch sauer gewordenen Bier kam beim Papst an, der verkostete es und befand den verdorbenen Gerstensaft für scheußlich. Er gab nicht nur seine Zustimmung, sondern lobte auch die Leidensfähigkeit der Glaubensbrüder. 🤮

Eine Liste der Trappistenklöster, welche ihre Biere mit offiziellen Logo verkaufen dürfen:

Dubbel, Tripel, Quadrupel…

Neben Witbier, Blonde und Bockbier sind diese obergärigen, belgischen Bierstile wohl die am häugigsten gebrauten Trappistenbiere. Es handelt sich hierbei um malz- und hefearomatische Biere bei denen die Hopfencharekteristik in den Hintergrund rückt. Der hohe Alkoholgehalt dient als Transporteur der edlen Aromen und ist als solcher oft kaum wahrnehmbar. Oft wird zusätzlich Zucker verwendet, um das Bier einerseits schlanker zu machen, aber auch komplexer.

Dubbel

Das Dubbel entsprang aus der Feder der Mönche und Nonnen des Westmalle Klosters. Es wurde etwas stärker eingebraut, als das „Alltagsbier“. Offiziell wurde es 1926 unter dem Namen  „Dubbel Bruin“ eingeführt.

Ein dunkel kastanienbraunes Bier, oft mit rötlichen Reflexen welches mit hellen Malzsorten und Zuckersirup gebraut wird. Der Alkoholgehalt liegt bei ca. 7vol.%. 
Die Aromen bestimmt das Malz. Es finden sich Anklänge von Schokolade, Toast und Karamell. Die feine Trappistenhefe bringt zusätzlich noch Fruchtester mit ins Spiel. So riecht man oft Rosinen, Pflaumen oder Kirsche. Auch Banane, Apfel oder Gewürznelke sind mögliche Aromen. 
Im Geschmack ist das Dubbel malz-intensiv. Eine angenehme Süße wird begleitet von einer zurückhaltenden Bittere. Im Abgang wärmt der Alkohol dezent.

Tripel

Aufgrund des ausgeprägten Wunsches nach helleren Bieren, prägte das Trappistenkloster Westmalle diesen Bierstil im Jahr 1934.

Hellgelb bis golden läuft ein Tripel ins Glas. In der Nase machen sich Aromen von Gewürzen, wie Pfeffer und Nelke breit. Begleitet werden sie von leichten zitronigen, floralen Noten und evtl. etwas Honig.
Im Geschmack zeichnet sich das Tripel durch eine ausgewogene Malzsüße in Kombination mit einer mittleren bis ausgeprägten Bittere aus. Der Abgang ist trocken und leicht wärmend.

Quadrupel

Das Quadrupel ist im Prinzip eine Bezeichnung von schweren, dunklen, obergärigen Ales (Belgian Strong Ale). Ein dunkel-bersteinfarbenes bis dunkelbraunes Bier mit dem wohl  komplexesten Aroma der Trappistenbiere. Auch hier wird Zucker/-Sirup verwendet.
In der Nase werden Rosinen, Pflaumen, Kirschen und Feigen miteinander kombiniert. Ebenso können sich Aromen von Vanille oder Nelke dazu gesellen.
Ein satter und süßer Malzkörper macht sich im Mund breit und wird ausbalanciert durch eine angenehme Bittere. Das Mundgefühl ist weich und voll. Das Quadrupel kann locker 10 Vol.% und mehr Alkohol haben. Damit ist es im Abgang wohlig warm und schwer.

Perfekt wenn’s draußen schneit

Gerade die dunklen und schweren Trappistenbiere, wie Dubbel oder Quadrupel passen perfekt in die kalte Jahreszeit.🌨 Schön komplex und wärmend verfeinern sie jeden noch so eisigen Winterabend. Denkt daran, diese Biere nicht zu kalt zu trinken, sonst könnt ihr die vielen Aromen gar nicht richtig wahrnehmen. Eine Trinktemperatur von 
10 bis 14°C  ist perfekt. 

Das goldene Tal – Orval

Eine echte Besonderheit unter den Trappistenbieren ist das Orval (franz.: „goldenes Tal“). Für das Bier wird eigens angebauter Hopfen verwendet. Darüber hinaus wird es hopfengestopft und neben Trappistenhefe kommt bei der Gärung auch Brettanomyces zum Einsatz. Dadurch erhält es seinen ganz eigenen würzig-kräutrigen Chrakter. Das Orval ist recht trocken und die feinen Brett-aromen runden es perfekt ab. Es lohnt sich ein Orval länger zu lagern!👍

Trappistenbier in der Eifel

Warum gibt es eigentlich kein deutsches Trappistenbier?
Bis in die 1960er wurde in der Abtei Mariawald in der Eifel Bier gebraut.
Die Abtei Mariawald war das einzige Kloster der Trappistenmönche in Deutschland. Dann wurde die Produktion eingestellt und aufgrund von fehlenden Nachwuchses inzwischen komplett aufgelöst. Aber das Rezept gibt es noch! 

Die Bitburger Brauerei braut nach diesem Rezept das Fluiter Tripel. Heinrich Fluiter war ein Handwerker, der um 1470 begann eine Marienfigur zu errichten und damit den Grundstein für die 
Entstehung der Abtei Mariawald legte. 

Das Bier wird nach dem Reinheitsgebot gebraut, das bedeutet, die Zugabe von Zucker, wie beim Tripel, üblich bleibt beim Fluiter aus. 

Das beste Bier der Welt?

2005 wurde das Quadrupel Westvleteren XII der Abtei Sankt Sixtus vom Ratingportal Ratebeer.com zum „besten Bier der Welt“ gewählt. Seitdem gibt es einen wahren Hype um dieses Bierchen. Es ranken sich Mythen darum und viele Bierfreunde versuchen eines zu ergattern. Das ist aber gar nicht so leicht.

Die 20 Mönche der Abtei lebten bis 2005 ein ruhiges beschauliches und abgeschiedenes Leben. Doch seitdem pilgern Bierfans in Scharen
zum -kurz vor der Belgischen Nordseeküste gelegenen- Kloster.

Man muss sich zunächst in die Telefonhotline hängen, sein Kennzeichen durchgeben und einen Abholtermin vereinbaren. Zum Termin darf man dann maximal 24 Flaschen direkt an der Klosterpforte erwerben. 

Es hat wohl auch schon ein Anrufer gesagt, er könne kein Kennzeichen durchgeben, da er mit dem Helikopter anreist.🧐

Offiziell bekommt man das Bier also nur ab Brauerei und muss den Mönchen auch versprechen, dass man es nicht weiter verkauft. Aber natürlich bekommt man das Bier auch im Internet oder bei anderen Zwischenhändlern. Dann aber deutlich teurer.

Ein Gerücht, dass sich hartnäckig hält ist, dass das St. Bernadus Abt 12 das gleiche Bier, wie das Westvleteren XII ist. 1946 entschied der damalige Abt des Sankt Sixtus Klosters, dass die Mönche zu viel Zeit mit dem Bierbrauen verbrachten. So gab er die Produktion an das nicht weit entfernte St. Bernadus Kloster ab. Bis 1992 wurde das Quadrupel dort gebraut, bis St. Bernadus die Lizenz wieder entzogen wurde und man wieder selbst das beliebte Bierchen brauen wollte. Aber natürlich hatte nun St. Bernadus das Rezept und ganz wichtig auch die Hefe, um das Bier selbst zu brauen. 

Heute kann man jedoch sagen, dass es sich wohl nicht um das gleiche, aber ein sehr ähnliches Bier handelt. Trotzdem: Das St. Bernadus Abt 12 ist ein super Bier und sehr viel leichter zu bekommen als der „Bruder“ aus Westflandern. Aber genau das macht ja auch den Hype um das Westvleteren XII aus. Man kann es eben nicht einfach so kaufen.

Übrigens auch bei mir steht das Bier noch auf der Wunschliste und irgendwann werde ich mich auch mal in die Hotline hängen müssen. 😉  

Zum Wohl!🍺

Paul

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  1. toller beitrag! ❤ …das westvleteren XII hab ich zum letzten mal letztes weihnachten getrunken… das ist mal wirklich was zum genießen! 😀

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    Antwort

    1. Danke! 🙂 Boah, da bin ich schon etwas neidisch! Freu mich schon darauf, mal eins zu ergattern 😀

      Gefällt 1 Person

      Antwort

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