Pastrybeer…

Was für Bier? Pastry! Also „Gebäckbiere“.
In den USA fast schon wieder ein alter Hut, scheiden sie gerade die deutschen Craftbier-Geister. Ich hab mir auch so meine Gedanken gemacht, war erst sehr skeptisch und nun blubbert gerade ein Peanutbutter Banana Sandwich Ale im Gärfass…

“There’s definitely a trend toward beers inspired by other things that aren’t drinks,” – Mark Theisen, Coronado Brewing Company

Bei diesen Bieren geht es darum Desserts und andere süße Speisen in einem Bier unterzubringen. Die Amis haben es vorgemacht und z.B. Omnipollo und Lervig aus Schweden bzw. Norwegen haben nachgezogen. Biere wie Chocolate Raspberry Imperial Stout, Bourbon Barrel-Aged Noa Pecan Mud Cake und Caramel Chocolate Porter sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. 

Um solche Biere hierzulande herzustellen, muss man sich vom Reinheitsgebot komplett verabschieden. Es werden, Kakaonibs, Kokosraspeln, Marshmallows, Nüsse, (natürliche) Extrakte und vieles, vieles mehr verwendet, um aus Bier einen flüssigen Nachtisch zu kreieren. Und genau hier liegt das „Konfliktpotential“⚡. 

In Deutschland hat Sudden Death Brewing vor kurzem zwei etwas umstrittene Biere heraus gebracht: Das Mr. Cinnamonbun und das Who shot the Almond Brothers. Hier kommen natürliche Extrakte, wie Zimtschneckenextrakt zum Einsatz. Den ein oder anderen schreckt das ab. Einige sehen sogar eine Gefährdung des (Craft)Bier-Brauens darin. 🧐
Die in Bierforen viel zitierte „rote Linie“ würde man hier überschreiten.

Abgefahren ist, dass Sudden Death die Ausnahmegenehmigung bekommen hat, dieses BIER zu brauen. Was einige als Gefährdung ansehen, könnte man auch als langsames Sterben des Reinheitsgebotes (oder weniger drastisch: Aufweichung) betrachten und das macht selbstverständlich viele Hardliner nervös.

Back to the roots…

Bei Craftbier geht es für viele um handwerkliches Brauen mit natürlichen Zutaten, eben keine Farbebiere, Extrakte oder Beschleuniger zu verwenden. Gebraut von unabhängigen und kleinen Brauereien.
Das nimmt der eine Teil zum Anlass, Extrakte im Bier (auch natürlicher Art) abzulehnen.
Aber die Vorstellung von der mit Holzlöffel umgerührten Maische muss man an den Nagel hängen. Gibt es noch, ja, aber auch die meisten Craftbierbrauereien brauen auf automatisierten Anlagen.
Die immer wiederkehrende Diskussion über die Definition von „Craft“ ist sehr subjektiv und für viele oft mehr oder weniger stark emotional belegt. Sie läuft immer wieder ins Leere und bringt keinen wirklich weiter. Back to the roots, oder neue Wege gehen?

Ein kleiner Konsens!?

Weg vom Herstellungsprozess steht Craftbier aber auch viel mehr für Kreativität, Fortschritt und dafür bisher unentdecktes Bierland zu erkunden. Da ist sich die Szene schon eher einig.
Es gab Stouts, dann Imperial Stouts, dann wurden Vanilleschoten und Kakaonibs hinzugegeben, später wurde unter zu Hilfenahme von Lactose Milkstouts daraus und nun wandert eben auch Zimtschneckenextrakt ins Bier. Ich finde es schwierig hier einen „Cut“ zu machen. Was sollte noch „erlaubt“ sein? 

Das Verwenden von Extrakten und anderen Hilfsmitteln sollte nicht der Effizienzotimierung oder der Kostenreduzierung beim Bierbrauen dienen. In einem guten Pale Ale braucht man keine Fruchtextrakte, um z.B. schöne Mango-Ananas-Aromen zu zaubern, aber bei einem Pastrybeer geht es ja gerade um das „Übertreiben„. Die Idee dahinter ist es doch ein Dessert zu verflüssigen und in einem Bier zu verpacken. Sicherlich kann man über ausgewählte Malze, ein paar gekonnt eingesetzte Hopfengaben und gutes Hefemanagement einem Bananen-Schokoladenkuchen sehr nahe kommen, aber eben nur sehr nahe.

Ähnlich, wie beim (Extra) Brut IPA. Auch hier kann man definitiv mit einer hochvergärenden Hefe nahe an „knochentrocken“ kommen, aber eben nicht ohne Esteraromen zu erzeugen, die bei diesem Bier unerwünscht sind.

Es findet auch eine Entwicklung statt und es ist nicht einfach damit getan, ohne Ende Aromen/Zusätze ins (Pastry)Bier zu geben. Die Basis, das Grundrezept muss stimmig sein und auch „solo“ überzeugen können! Erst dann wird ein Zimtschnecken Oatmeal Imperial Stout auch wirklich rund (wie eine Zimtschnecke) schmecken und begeistern.

Ich muss zugeben, anfangs war ich auch skeptisch, aber es ist Alles auf den Bieren deklariert. Heißt, jeder kann die Zutatenliste einsehen und selber entscheiden, ob er so ein Bier trinken möchte oder es eben im Regal stehen lässt.

#liebermandelextraktimbieralspvpp

Ich denke nicht, dass die Biere eine Gefährdung für die Craftbier-Kultur darstellen. Ganz im Gegenteil, es ist noch mehr im Gespräch und zeigt, was alles möglich ist.

Wichtig ist, dass der Konsument weiß, was alles in der Flasche steckt. Und das weiß er bei einigen reinheitsgebotskonform hergestellten Bieren eben nicht. Ehrlichkeit(!) wäre hier eine gute Ausgangslage. Ich schmeiße einfach mal die Begriffe Glyphosat und PVPP (Kunststoffgranulat zum Klären des Bieres) in den Raum und lasse sie auch da liegen, denn darüber wurde schon genug geschrieben.

Was ich damit sagen will, es soll jeder selber entscheiden, was er kauft und trinkt. Nach meiner anfänglichen Skepsis bin ich zu der Meinung gekommen, dass Pastry Biere eine interessante, neue Richtung einschlagen.

Warum immer eine Intension?

Kann man nicht einfach brauen worauf man Bock hat? Doch klar! Vielleicht verfolgen die Jungs von Sudden Death einen tieferen Sinn, aber vielleicht haben sie auch gesagt: „Lass mal ein Bier mit Zimtschneckengeschmack machen!“ Warum brauen andere ein Pils? Weil’s schmeckt und das ist doch auch die entscheidende Frage bei einem Genussmittel: Schmeckts oder nicht? Sollen doch einfach die Konsumenten entscheiden. Hängt solche Biere an den Zapfhahn, verkauft die Flaschen und entweder genießen die Leute ihren flüssigen Nachtisch oder lassen sich eben lieber ein Pale Ale zapfen. Jeder kann frei wählen.

Ich kann so viel sagen: Ich habe gerade so noch ein Exemplar der Biere bekommen. 😉

So, dann zum Wohl! Trinkt was IHR wollt!
In diesem Sinne: Auf die Zimtschnecken!😁

Paul

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