Tipps für Brau-Einsteiger

Ihr seid angehende Hobbybrauer, plant gerade euren ersten Sud, oder habt vor Kurzem angefangen. Dann würde ich euch gern ein paar Tipps mit an die Hand geben. Natürlich gibt es da noch mehr zu beherzigen, die Liste ist keinesfalls abschließend. Meiner Meinung nach sind einige Grundregeln jedoch wesentlich, um ein gutes Bier zu brauen.

Versteht die Prozesse

Zu Beginn ist es wichtig euch einzulesen und zu verstehen was ihr, warum da genau macht. Zum Thema Hobbybrauen/Homebrewing gibt es viel Literatur. Sehr viele Infos bekommt ihr auch sowohl in deutsch- als auch englischsprachigen Foren. Hier solltet ihr euch erstmal durchackern und die einzelnen Prozesse unbedingt verstehen.

Eine Klasse Anleitung findet ihr hier: brauanleitung

Arbeitet sauber! – vor allem im Kaltbereich

Das muss euer oberstes Gebot sein. Nicht das Reinheitsgebot… Wenn ihr ein ungutes Gefühl habt, ob der Hahn eures Gäreimers wirklich 100%ig sauber ist, dann baut ihn vor dem Befüllen noch einmal ab und reinigt ihn. Seid nicht zu bequem, immerhin stellt ihr euch den ganzen Tag an den Kessel, aber doch nicht um dann am Ende Alles wegzukippen, weil ihr zu faul wart doch noch mal den Lappen zu schwingen.

Lernt eure Anlage kennen!

Das ist in meinen Augen ein Knackpunkt⚡️. Oft möchten Anfänger ein Rezept 1:1 auf die eigene Anlage ummünzen. Wenn das Ergebnis dann nicht wie gewünscht ausfällt, steht man dann ratlos da. Meist liegt es daran, dass die unzähligen Anlagen eben nicht gleich arbeiten. Wenn ich z.B. nach dem Würzekochen selber nicht aktiv Kühle, aber in dem angegeben Rezept dies so angedacht ist, muss man sich nicht wundern, wenn aufgrund der Nachisomerisierung das eigene Bier knacke bitter schmeckt.

Ich braue mit der Braueule und musste in meinem Fall die Rasten der Rezepte aus dem Netz anpassen, da die „Eule“ gerade bei langen Rasten dann wieder länger zum Aufheizen braucht, als wenn ich mit Einkocher und Heizstab aufheize. Dadurch wurden am Anfang meine Biere meist trockener oder leerer als gewünscht. Also Zettel, Stift und Stoppuhr geschnappt und beobachtet.

Hier könnt ihr euch mein Equipment ansehen. Klick

Beschäftigt euch mit den Rohstoffen

Natürlich müsst ihr nicht mit jeder der 4 (oder vielleicht mehr 😉 ) Zutaten auskennen. Vor allem am Anfang wird man etwas überflutet. Keine Angst, das ist ein stetiger Lernprozess und er hört nie auf. Ihr solltet einfach immer dran bleiben und euch fortbilden, um zu verstehen, was passiert, wenn ihr diesen Hopfen oder jenes Malz benutzt. Welche Hefe bei welcher Temperatur sich wie verhält und warum die Restalkalität des Wassers für Bier eine große Rolle spielt.

Zutaten

Bierzutaten

Wie fast immer im Leben, muss man aber nicht Alles wissen – sondern nur wissen, wo es steht:

  • Eine super Erklärung für nahezu jeden Hopfen findet ihr bei hopfenderwelt
  • Infos zu den Malzen findet ihr bei den Herstellern
  • Eine klasse Hefeübersicht
  • Um tief ins kühle Nass einzusteigen kann ich euch diesen Artikel vom Braumagazin nur wärmstens ans Herz legen

Eine gute 💡Idee ist es auch, seine Sude z.B. vor dem Anstellen aufzuteilen und mit zwei verschiedenen Hefen zu vergären. So kann man  mit weniger Aufwand im direkten Vergleich feststellen, wie sich die Biere unterscheiden. Ihr könnt auch die gleiche Hefe bei verschiedenen Temperaturen vergären. Eine belgische Hefe z.B. wird bei höheren Temperaturen mehr Ester erzeugen. Ebenso könnt ihr Sude aufteilen und dann mit verschiedenen Hopfensorten stopfen.

Um ein spezielles Malz oder einen bestimmten Hopfen kennen zulernen, bietet sich ein sogenanntes SMASH an, also ein „single Malt and single Hops“ Bier. Ihr verwendet z.B. 100% Pale Ale Malz und für die Bitterung und das Aroma ausschließlich Cascade Hopfen.

Ihr müsst Messen!

Besorgt euch unbedingt eine Spindel oder ein Refraktometer noch bevor ihr das erste Mal braut. Nur so könnt ihr die Stammwürze eures Sudes bestimmen und sicher sein, wann euer Bier ausgegoren ist. Immer wieder lese ich in Rezepten, dass pauschale Zeitangaben zur Haupt- und Nachgärung gemacht werden („nach einer Woche Gärung in Flaschen füllen“). Das kann sehr gefährlich werden! Nämlich dann wenn euer Bier noch nicht ausgegoren war und ihr zu früh in Flaschen abgefüllt und damit „Flaschenbomben 💣 produziert habt.

Tut euch und allen, die mit in euren 4 Wänden wohnen den Gefallen und messt am Ende der Gärung. Verändert sich der Restextrakt über mehrere Tage nicht, dann kann man davon ausgehen, dass die Gärung durch ist.

Außerdem ist meist die erste Frage von Familie und Freunden, wenn ihr ein Selbstgebrautes ausschenkt: „Und wie viel Umdrehung hat das?“ Und dann ist es doch schön eine fundierte Antwort geben zu können.

☝Vorsicht #funfact: Eines der
stärksten Biere der Welt
ist der Schorschbock
von Schorschbräu,
aus Deutschland
mit 57 
Vol.

Habt Geduld!

Das ist, was ein (Hobby-)Brauer als erstes lernen muss. Geduld, Geduld und nochmal -Geduld! Ja es dauert und manchmal und dann auch noch länger als gedacht, aber tut euch den Gefallen und übt euch in Geduld. Das fängt beim Läutern an und hört beim Einschenken auf. Lasst euch Zeit und das Ergebnis wird besser und ihr erspart euch viel Stress.

Wer morgens Bier braut, hat abends noch lange kein´s zum Trinken. 

Lasst euch nicht einengen

Ich lese und höre immer mal wieder, „das kannst du so nicht machen, in ein …“. Ähm, warum denn nicht? Ist es nicht das was uns an diesem Hobby so begeistert? Wir können brauen, experimentieren und spinnen wie wir wollen💪, -so lange wir sauber arbeiten und einen gewissen Plan verfolgen.

Ich versteh nicht, warum man solche Ratschläge gibt. Es ist ein Hobby, falsch EUER Hobby und wenn ihr euer Stout mit einer ordentlichen Whirlpoolgabe ausstatten wollt, dann macht es! Euer Weizen soll mal über die üblichen 10-15 IBU’s hinausgehen, dann schmeißt mehr Hopfen rein! – Just brew it! Geht es in die Hose, ran an die Fehleranalyse. Schmeckt es sau geil, dann macht – mit stolz geschwellter Brust – gleich noch ne Flasche auf. Cheers!🍻

Wichtig ist doch, dass ihr Spaß an dem habt, was ihr macht. Natürlich kann man auch mit einem entspannten Pale Ale Spaß haben. Aber lasst euch nicht vorschreiben was und wie ihr braut. Es ist ein Hobby und niemand reist irgendwem den Kopf ab, wenn ihr den Pfad der Stilvorgaben links und rechts, hier und da mal verlasst. 😎

Also ran ans Werk und braut euer eigenes Bier! Zum Wohl!🍺

  1. Tolle Tipps!
    Was noch fehlt, ist dass man sich drauf einstellen muss Fehler zu machen. Ich finde es gehört einiges dazu mehrere Stunden zu brauen, 4 Wochen zu warten bis das Bier fertig ist und dann zu merken, dass das Bier leider nichts geworden ist. Braufehler schleichen sich ja ab und an auch bei sauberen Arbeiten ein.
    Das sollte keinen so sehr frustrieren mit dem Brauen aufzuhören.
    happy Grüße, Björn

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